Chronismus

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Der Chronismus ist eine polytheistische Religion und eine der beiden Weltreligionen. Er ist weltweit verbreitet, kommt jedoch hauptsächlich auf den Karpatischen Inseln und in Murabien vor. Daneben finden sich auch in Davien zahlreiche Gläubige.

Das heilige Symbol des Chronismus

Glaube

Das Prinzip der Zeitenwaage (Mesoron)

  • Alle Dinge und Lebewesen im Universum sind entweder Bremser (Gsega) oder Beschleuniger (Tjala) der Zeit
  • auch die Götter gehören einer der Parteien an
  • Gsega und Tjala halten sich die Waage
  • am Ende der Zeit wird das Gleichgewicht kippen, überwiegt Tjala, wird die Zeit immer schneller, bis plötzlich alles Gleichzeitig passiert; überwiegt Gsega, wird alles immer langsamer, bis die Zeit stehen bleibt
  • niemand weiß, welches von beidem überwiegen wird

Vier Götter

Gott Feiertag Inhalt Besonderheit
Aliphatos (Goot des Himmels und allem Guten) 09. VI. Außengott des Tjala
Bartos (Gott der Priester und des Festlandes 15. XIII. Innengott des Tjala, mächtigster Gott für die Menschen → richtet und entscheidet über Schicksale Sitzt immer auf seinen Bart
Chronos (Hauptgott des Chronismus) 06. XVI.

(4-tägiges Fest)

Innengott des Gsega, Gott des Meeres
Dummos (Gott der Unterwelt) 5. XX. Außengott des Gsega, Gott der Unterwelt

Kastenwesen

  • Menschen werden in vier Kasten eingeteilt: Aliphaten, Bartai, Chronai und Dum
  • Nach dem Tode wird ein Mensch wiedergeboren und steigt – je nach seinen Taten – immer auf oder ab, bleibt niemals in seiner Kaste. Es werden dabei auch keine Kasten übersprungen.
  • Es gibt folgende Kasten:
    • Aliphat (Pl. Aliphaten) ist ein Oberpriester (dieser Status kann nur von einem gutem Bartja erreicht werden)
    • Ein Bartja (Pl. Bartai) ist besserer Chronist, der üblicherweise die Position eines Mönches oder Priesters bekleidet. Es gibt auch einige Adlige von diesem Rang.
    • Ein Chronja (Pl. Chronai) ist ein normaler Chronist. Er kann zum Bartja aufsteigen, wenn er ein gutes Leben führt. Falls er ein schlechtes Leben führt, wird er zum Dumja.
    • Ein Dum (Pl. Dum) ist ein niedrigrangiger Chronist, der niedere Aufgaben erledigt. Ebenfalls als Dum bezeichnet werden alle Nichtchronisten, stehen aber in der Rangfolge noch unter den chronistischen Dum.
  • Wenn man als Aliphat ein so gutes Leben geführt hat, dass man weiter aufsteigen würde, erreicht man das Paradies.
  • Wenn man als Dum ein so schlechtes Leben geführt hat, dass man weiter absteigen würde, kommt man in die Hölle.

Das Sanduhr-Prinzip (Emlenh)

  • Nach einem bestimmten Zeitraum spiegelt sich das System (kippt um wie eine Sanduhr), sodass das Paradies bei Aliphatos danach bei Dummos liegt, und die Hölle bei Dummos zum Paradies wird.
  • Somit verliert Chronos den Hauptgottposten an Bartos.
  • Auch das Kastenwesen kippt: wer als Aliphat
  • Nach Drölf Zyklen wird das Weltenende erreicht.

Die Rolle der Mathematik

Da nicht klar ist, wie lange ein Zyklus währt, und was die Zahl Drölf ist, und welcher, Aliphatos oder Dummos, der ursprüngliche Gott des Paradieses war, gab und gibt es zahlreiche innerchronistische Debatten. Im Laufe der Jahrhunderte entstand daraus (zunächst über Zahlenmystik) die Tradition, dass sich Chronisten viel mit Mathematik beschäftigen. So gleichen manche Messen mathematischen Seminaren. Überhaupt erreichte die Mathematik den Status einer eigenständigen wissenschaftlichen Disziplin durch den Chronismus. Auch heute noch sind viele Chronisten Mathematiker, und viele Mathematiker Chronisten.

Weiteres

Die Messe

Typischer Chronistischer Gruß, der zur Messe eine große Rolle spielt
  • nach strengen Regeln
  • vier Priester, die ihrer Rangordnung nach die vier Götter anpreisen
  • Anzahl der Anwesenden muss durch vier teilbar sein

Das Htheti

Heiligstes Gebet aller Gebete, viermal am Tag aufzusagen (nach dem Aufstehen, am Vormittag, am Nachmittag und vor dem Einschlafen).

O Aliphatos, heiliger, sei gegrüßt O Bartos, mächtiger, sei geehrt O Chronos, höchster, sei gepriesen O Dummos, hässlicher, sei verdammt

Siebenmal, o Götter, danke ich euch für die Welt und die Zeit Siebenmal, o Götter, danke ich euch für mein Leben und mein Glück Siebenmal, o Götter, danke ich euch für euer weises Urteil und eure weise Herrschaft Siebenmal, o Götter, bitte ich euch um Gnade vor meinen Sünden und Reinheit für mein Herz Siebenmal, o Götter, bitte ich euch um eure Hilfe in meinem Leben und um einen gnädigen Tod Siebenmal, o Götter, bitte ich euch um den Erhalt der Welt, bis die Zeit heran ist Siebenmal, o Götter, hört meinen Ruf.

O Aliphatos, heiliger, Heil sei dir und Dank O Bartos, mächtiger, Ruhm sei dir und Ehre O Chronos, höchster, Preis sei dir und Lob O Dummos, hässlicher, Schmach sei dir und Schande

Geschichte

  • Entstand ca. 700 wzi in Bangabandhu – vermutlich als Synthese von Staats- und Stammesreligionen
  • Den Gründungsort beanspruchen Choghu, IRB und Chronistisch Mandhu. Anerkanntes Zentrum, wichtigster Pilgerort ist Lavosh in Choghu. Einige Archäologen gehen aber von Sanpherahi in Chronistisch Mandhu oder sogar Marka in der IRB aus – der Ursprung des Chronismus ist ein Politikum!
  • Aus der Zeit um 1000 wzi stammen Dokumente die eine umgekehrte Götterhierarchie belegen (Dummos als höchster, Aliphatos als niedrigster Gott). Um 1100 wzi, nach einem Umsturz, besteht folgende Götterhierarchie (notabene waren die Hauptgötter bis auf Bartos alle weiblich):
Schriftzeichen Aussprache (IPA)
Alipta-sudhu Göttin der Ewigkeit und des Kosmos
Barrat-sadhu Gott der Erde
Ghuwarono-sudhu Göttin der Zeit und der Gestirne
Dammu-sudhu Göttin der Unterwelt, des Nirgends und nie
  • Ab 1200 wzi strömen Missionare auch außerhalb Bangabandhus aus und reformieren zunächst die Urbevölkerung der xyllabischen Insel, die Bekehrung des Karpatenraumes beginnt. Zunächst ist der Chronismus aber nur in den südlichen Gebieten, in Altmeerland und in der Großen Qasx verbreitet.
  • In Naia, jetzt auf dem Gebiet der Heugrafschaft, entsteht um 1100 +zi der Murabisch-Orthodoxe Chronismus, und wird vom dortigen Herrscherhaus zur Staatsreligion erhoben. Wichtige Neuerungen betreffen:
    • Kanonisierung der Religion
    • Starke Veränderung gegenüber bangabandhischem Vorgänger: Hauptgottheiten sind männlich. Die weiblichen Varianten werden als heidnisch betrachtet.
    • Starke Missionierung setzt ein; überhaupt werden viele Gebiete, darunter Tuwran, Dröm und Jennig überhaupt erst chronistisch.
    • Man sieht Murabien als mystisches Zentrum des Chronismus – daher der Name! – gründet dort Klöster auf den Ruinen alter Tempel; das größte und bei nicht-Chronisten berühmteste dieser Klöster ist Bartka (gegründet 1517 nzi); das älteste ist zugleich Hauptpilgerort für Murabisch-Orthodoxe Chronisten – Djagal-Mlil bei Maenfyrdt (gegründet 1007 nzi)
  • Der murabisch-orthodoxe Chronismus war als zentralistische Religion, um eine zentrale Herrschaft der Könige von Naia zu ermöglichen, gedacht; lokale Traditionen setzen aber frühzeitig ein. So nahm das Königreich von Ehj (heute Kaiserreich Groß Jennitia) 1304 den Chronismus an. Bereits 1453 kam es zum Bruch, und es bestanden lange eine "jennitische" (Jennitia und Davien) und eine "qasxische" (Naia usw.) Orthodoxie. Erst 2023 kam es zur formalen Wiedervereinigung, bekannt als Ewige Heilung.
  • Ab 1700 entstehen demokratisch gesinnte Strömungen in Balmanien und auf den Karpaten. Es beginnt Kritik an den alten Herrscherhäusern. Diese äußert sich in religiöser Form als sogenannter Karpatisch-reformierter Chronismus.
    • Dieser wird jedoch von einigen Herrscherhäusern aufgegriffen und als Nationalkirche verstanden (z.B. Paramur 1870); dies eignete sich zur Legitimation von Monarchie und Kolonialismus besser als der international ausgerichtete Murabisch-Orthodoxe Chronismus.
    • Karpatisch-Reformierter Chronismus wurde aber auch ein Sprachrohr des Protests (so errichtete das Volk der Heugrafschaft um 2100 eine kurzzeitige karpatisch-reformierte Demokratie; in der Heiligen Küste blieb die reformiertgläubige Demokratie seit 2209 dauerhaft)
    • Er verdrängte den murabisch-orthodoxen Chronismus nahezu völlig aus den Karpaten (Nur noch Beterbeuy, Jennitia, Herzogtum Heas).

Konfessionen

Die Einteilung der Konfessionen ist nicht besonders einfach, da insbesondere in der Ursprungsregion des Chronismus, Bangabandhu, nie eine staatlich geprägte Normierung stattfand und die Übergänge zwischen den einzelnen Strömungen fließend sind. Generell teilt man daher den Chronismus in die älteren (Bangabandhische Orthodoxie, Altkarpatischer Chronismus) und die neueren Konfessionen (Karpatische Orthodoxie und karpatisch-reformierter Chronismus).

Die älteren Konfessionen haben untereinander wenige Gemeinsamkeiten - sie haben sich seit den Ursprüngen eigenständig entwickelt und unterlagen nie oder erst spät einer Normierung durch zentrale Instanzen. Bezeichnend ist, dass die Gottheiten meist weiblich sind. Auch ist die Zahl der Götter nicht auf die Vierheit beschränkt.

Die neueren Konfessionen schöpfen theologische und rituelle Gemeinsamkeiten aus den Reformen im Königreich Naia. Die weitere Entwicklung wurde von staatlichen Kultreformen einerseits, theologischen Schulen andererseits getragen. Bezeichnend ist die neue Genderzuschreibungen - alle Gottheiten wurden nun als männlich angesehen. Zudem wurden auch die Namen und wichtige kultische Bezeichnungen normiert:

  • Aliphatos > Lapat
  • Bartos > Borat
  • Chronos > Ikron
  • Dummos > Tumo

Bangabandhische Orthodoxie

Die bangabandhische Orthodoxie zeichnet sich durch Besonderheiten in der religiösen Organisation aus: Klöster bilden Mönche in höchstem Maße theologisch, historisch und philologisch aus. Die Spiritualität der meisten Menschen aber gründet sich auf Wanderpriester, die in unterschiedlichem Grade in der Theologie gebildet sind. Mit den Staaten entstanden auch übergeordnete Verwaltungsstrukturen. Dabei besetzten die Herrscher die entscheidenden "kirchlichen" Ämter mit Klerikern meist unterschiedlicher Strömungen. Die höchste Ebene war die Position des Patriarchen, dem die Stellung einer Art Oberpriester zukommt. Die kultischen Aufgaben der Patriarchen beschränken sich aber meist auf das eigene Heiligtum. Patriarchen greifen kaum in die Kulthandlungen in ihrem Machtbereich ein. Vielmehr fungieren sie als Verwalter, die die in ihrem Gebiet vorhandenen Kulte austarieren sollen und die Steuergelder, die z.B. zur Renovierung von Heiligtümern zur Verfügung stehen, sinnvoll verteilen sollen. Sie sind also eher Schiedsrichter.

Den vier Hauptgottheiten des Chronismus kommen abstrakte Bedeutungen als Weltenlenker zu. In der individuellen Spiritualität hingegen spielt eine große Zahl regionaler, berufsgruppenbezogener und individueller Götter eine wichtigere Rolle. Erst mit dem Einfluss Paramurs wurden die vier Hauptgötter wieder präsenter.

Altkarpatischer Chronismus

Der Chronismus kam ab etwa 500 +zi in die Karpaten. Bis zur Naia-Zeit war er v.a. in der großen Qasx, in Temkalien, Estasia und ab etwa 700 +zi auch im südlichen Allmeeren verbreitet. An vielen Orten wurde er dann von der Orthodoxie überlagert. Teilweise gibt es noch altkarpatische Gemeinden auf Estasia. Als einzige "Hochburg" erhielt sich Allmeeren.

Der allmeerische Chronismus wurde durch das Kaiserreich Bighbu geformt. Die Stadt Zertovs etablierte sich dabei als zentraler Wallfahrtsort. Lange blieb der Chronismus hier regional recht unterschiedlich. Vorchronistische Elemente bildeten und bilden einen wichtigen Bestandteil. Erst in der Außeinandersetzung mit Paramur gegen Ende der Bighbu-Zeit wurde das System in einer Reihe zentral vorgegebener Reformen strukturiert. Dabei prägte die Nähe zum monotheistischen Balmanien eine Entwicklung in die Richtung eines Henotheismus.

Der wichtigste Gott wurde, in Abgrenzung zu den reformierten Strömungen, die Chronos, und den orthodoxen Strömungen, die sich an Aliphatos ausrichten, Bartos, allerdings als Muttergottheit Abara bezeichnet. Aliphatos (Aliftan), Chronos (Ronan) und Dummos (Do) gelten als Töchter und Helferinnen der Abara. Alle weiteren Gottheiten wiederum sind deren Kinder.


Karpatische Orthodoxie, "Murabisch-Orthodoxer Chronismus"

Historische Grundlagen: Das Königreich Naia fand eine Herrschaftsideologie. Die patriarchalen Strukturen wurden nun auch religiös umgesetzt. In den alten karpatischen Gesellschaften waren Könige Heerführer gewesen, weshalb sich staatliche und religiöse Strukturen aufgespaltet hatten. Nun wurde der König zum Oberpriester gemacht, was für eine weitere Zentralisierung sorgte.

Theologie: Der Chronismus sollte "gereinigt" werden. Nun wurden (teils) vermeintliche "heidnische" Einflüsse verbannt, ein Kanon heiliger Schriften ausgearbeitet. Die Zahl der Götter wurde auf die Vierheit beschränkt, alle anderen übernatürliche Wesen marginalisiert. Lapat wurde Weltschöpfer, Götterherrscher und Staatsgott in einem. Dem gemeinen Volk war es untersagt, zu ihm zu beten. Ikron wurde als eine Art Heiler- und Helfergottheit interpretiert und wurde so der Gott der Menschen. Borat hingegen war der Gott der Natur, besonders des Meeres und der Schifffahrt. Tumo wurde zu einer Art Teufel stilisiert, dem alle nicht-orthodoxen Erscheinungen als eine Art Heidentum und Dämonismus zugeordnet wurden. Zentral in der Konfession ist nicht so sehr der individuelle Bezug zu den Göttern, sondern das Einhalten der kultischen Bestimmungen.

Organisation: Heilige Stätte der karpatischen Orthodoxie war und ist die Stadt Bòrs, wo das Oberhaupt aller Orthodoxen, der Galen (eigentlich Königstitel in Naia), seinen Sitz hat. Die Orthodoxie war 1423-2023 gespalten, bis heute haben sich (kleine) Unterschiede im Ritus erhalten, es gibt eine jennitischen und eine qasxische Orthodoxie.

Karpatisch-Reformierter Chronismus

Historische Grundlagen: Die Entstehung der modernen Wissenschaft und der Demokratie stellten das zentralisierte Bild der karpatischen Orthodoxie infrage. Bald trennten sich demokratische und monarchistische Bewegungen innerhalb der Reformierten. Staat und Kirche sollten säuberlich getrennt werden, damit ein Herrscher seinen Untertanen keine Glaubenssätze gegen ihr Gewissen aufzwingen könnte.

Theologie: Der Glaube sollte mit einem rationalen, wissenschaftlichen Weltbild vereinbar sein. Auch das Individuum rückte in den Fokus der Theologie. Ikron kam also, aufgrund seiner Menschennähe also eine tragende Rolle zu. Borat erfuhr auch einiges Interesse, man sah ihn als Gott der unbelebten Natur, der physikalischen Gesetze. Tumo wurde gewissermaßen rehabilitiert - man erkannte in ihm das Prinzip der Zerstörung, das für die Entstehung des Neuen unabdingbar ist. Lapat rückte zunächst in den Hintergrund und wurde als passiver Schöpfergott betrachtet. Erst in Paramur wurde er wieder wichtiger, da sich die Monarchen als direkte Diener des obersten Gottes verstanden. Wichtiger als der Kult sind im reformierten Chronismus die Taten.

Organisation: Die Organisation ist höchst komplex. Zunächst können zwischen demokratisch ausgerichteten Strömungen (Heilige Küste, KU) und monarchistischen unterschieden werden. Wirklich scharf bildete sich der Gegensatz aber erst nach dem Fünfzigjährigen Krieg aus. Während sich die Organisationen demokratisch ausgerichteter Strömungen eher als Verwaltungseinheiten auf nationaler Ebene verstehen, versuchen die monarchistisch ausgerichteten Organisationen auch eine spirituelle Führung zu übernehmen. Die Entwicklung der monarchistischen Organisationsformen verlief Wendungsreich: In Paramur, Estasia und in Dröm entstanden sie unabhängig voneinander; heute erkennen jedoch die Oberhäupter Estasias und Dröms den Patriarchen von Turhat als einen Primus inter Pares an. In Tegrim entstand zunächst - auf der Grundlage dort verbreiteter demokratischer Strömungen - ein von Paramur inspirierter monarchistischer Chronismus. Als die beiden Staaten miteinander brachen, wurde in Tegrim eine völlig autonome Staatskirche aufgebaut.