Die Möglichkeit (Spaladir)

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Die Möglichkeit

Die Möglichkeit von Toren Spaladir

Die Möglichkeit von Toren Spaladir, im Volksmund „Der verbotene Apor“
Künstler Toren Spaladir
Entstehung 2525
Gattung Monumentalplastik
Material Bronze, teilweise patiniert
Höhe ca. 8,4 m einschließlich Sockel
Motiv idealisierte männliche Gestalt mit aporistischer Symbolik
Aufstellungsort öffentlich zugängliches Privatgelände in Erigon
Auftraggeber nicht öffentlich bekannt
Beiname „Der verbotene Apor“
Status öffentlich zugänglich

Die Möglichkeit ist eine 2525 vollendete monumentale Bronzestatue des ancalischen Bildhauers Toren Spaladir. Das Werk gehört zu den bekanntesten und umstrittensten religiös konnotierten Kunstwerken der jüngeren Geschichte der UAF.

Die Statue zeigt einen idealisierten jungen Mann in monumentaler, nahezu heroischer Haltung. Zahlreiche Elemente der Komposition – darunter Kelch, Eichenlaub, Eicheln, Lichtkreis und sakrale Gewandung – verweisen eindeutig auf den Aporismus.

Da die oberste Gottheit Apor nach aporistischer Lehre keine feste Gestalt besitzt und traditionell nicht figürlich dargestellt wird, löste das Werk unmittelbar nach seiner Enthüllung einen weitreichenden theologischen und gesellschaftlichen Streit aus.

Obwohl Spaladir zunächst erklärte, die Statue stelle lediglich „den Menschen im Zustand verwirklichter Möglichkeit“ dar, setzte sich in der Öffentlichkeit innerhalb weniger Tage die Bezeichnung

„Der verbotene Apor“

durch.

Entstehung

Die Möglichkeit bildet den vorläufigen Höhepunkt von Spaladirs jahrzehntelanger Beschäftigung mit der Frage, ob Apor überhaupt bildlich dargestellt werden könne.

Bereits seit den 2510er Jahren entstanden in seinem Atelier zahlreiche sogenannte A-Studien. Dabei handelte es sich um Zeichnungen, Gipsmodelle, Bronzeskizzen und anatomische Studien, die unterschiedliche Möglichkeiten einer figürlichen Darstellung Apors untersuchten.

Spaladir verwarf nahezu alle Entwürfe.

Manche besaßen kein Gesicht.

Andere keinen vollständigen Körper.

Einige bestanden lediglich aus Händen, Lichtkreisen oder leeren Sockeln.

Nach Aussagen ehemaliger Mitarbeiter entstand die Grundidee zur späteren Statue aus einer besonders einfachen Frage:

„Wenn Apor Möglichkeit ist – warum soll Möglichkeit keinen Körper haben dürfen?“

Ab 2524 arbeitete Spaladir nahezu ausschließlich an dem Projekt.

Der endgültige Entwurf entstand nach mehreren großformatigen Ton- und Gipsmodellen.

Während frühere Fassungen deutlich abstrakter waren, entwickelte sich die Figur im Verlauf der Arbeit immer stärker zu einem körperlich idealisierten jungen Mann.

Gerade diese Entscheidung wurde später zum Kern des Skandals.

Beschreibung

Die Bronzestatue zeigt einen jungen, athletischen Mann in stark idealisierter Gestalt.

Die Figur sitzt beziehungsweise erhebt sich auf einem monumentalen Sockel und nimmt dabei eine Pose ein, die zwischen Ruhe, Herrschaft und unmittelbar bevorstehender Handlung liegt.

Ein Arm ist erhoben.

Der Oberkörper ist weitgehend unverhüllt.

Teile des Körpers werden von einem schweren, ornamental gestalteten Gewand umgeben.

Hinter dem Kopf befindet sich ein großer kreisförmiger Rahmen.

In diesen sind Eichenlaub, Eicheln sowie ein Kelch eingearbeitet.

Der Kreis erinnert unübersehbar an einen Heiligenschein, ohne formal als solcher bezeichnet zu werden.

Auch der Sockel ist mit aporistischen Symbolen versehen.

Besonders häufig erscheinen:

  • Kelche,
  • Eichenlaub,
  • Eicheln,
  • kreisförmige Zeichen,
  • stilisierte Lichtstrahlen,
  • sowie geometrische Formen, die auf Möglichkeit und Handlung verweisen.

Die Bronze wurde absichtlich nur teilweise patiniert.

Dadurch wechseln dunklere, grünlich oxidierte Partien mit warm glänzenden Bronzeoberflächen.

Vor allem Gesicht, Brust, Arme und Teile der Beine reflektieren das Licht deutlich stärker als der übrige Körper.

Dies verstärkt den Eindruck, die Gestalt trete aus dem Material hervor.

Der Körper

Die körperliche Gestaltung gilt als der provokanteste Aspekt des Werkes.

Spaladir entschied sich ausdrücklich gegen eine geschlechtslose oder abstrakte Figur.

Stattdessen zeigt Die Möglichkeit einen eindeutig männlichen, jungen und stark idealisierten Körper.

Kritiker warfen Spaladir vor, damit eine konkrete Vorstellung davon geschaffen zu haben, wie Apor angeblich aussehe.

Spaladir widersprach dieser Interpretation zunächst.

Er erklärte:

„Ich habe keinen Gott modelliert.

Ich habe einen Menschen modelliert, der alles werden könnte.“

Gerade diese Erklärung überzeugte viele Beobachter nicht.

Denn die aporistische Symbolik der Statue ist so umfangreich, dass die Figur kaum von der religiösen Bedeutung des Werkes getrennt werden kann.

Der Lichtkreis

Der große Kreis hinter dem Kopf gehört zu den auffälligsten Elementen der Plastik.

Er besteht aus mehreren konzentrischen Metallringen, in die Eichenlaub und ein Kelch eingearbeitet wurden.

Von weitem erinnert die Konstruktion an einen monumentalen Heiligenschein.

Spaladir selbst bezeichnete sie lediglich als

„Möglichkeitskreis“.

Nach seiner Interpretation solle der Kreis keine Heiligkeit kennzeichnen, sondern einen Zustand ausdrücken, in dem Handlung noch nicht festgelegt sei.

Theologen wandten dagegen ein, dass Symbol, Position und Gesamtkomposition zwangsläufig eine sakrale Wirkung erzeugten.

Ein Kritiker formulierte:

„Spaladir nennt es keinen Heiligenschein.

Er hat lediglich einen Heiligenschein gebaut und beschlossen, ihn anders zu nennen.“

Kelch und Eichenlaub

Die Verbindung von Kelch und Eichenlaub macht die religiöse Bedeutung der Statue besonders deutlich.

Im Aporismus steht die Eiche für Inspiration.

Der Kelch symbolisiert göttliche Kraft.

Die Eichel gilt als Zeichen noch nicht verwirklichter Möglichkeit.

Spaladir fasst diese Symbole unmittelbar um Kopf und Körper der Figur zusammen.

Nach seiner eigenen Deutung bildet die Gestalt deshalb nicht Apor selbst ab.

Sie stehe vielmehr im Mittelpunkt jener Kräfte, durch die Möglichkeit in gegenwärtige Handlung überführt werde.

Seine Kritiker sahen darin lediglich eine komplizierte Umschreibung einer Gottesdarstellung.

Die Enthüllung

Bereits die Enthüllung der Statue entwickelte sich zu einem medialen Ereignis.

Journalisten hatten im Vorfeld erfahren, dass Spaladir nach jahrzehntelanger Beschäftigung mit Apor erstmals eine vollständig figurative Monumentalplastik präsentieren werde.

Während der Pressekonferenz wurde der Künstler gefragt, ob er ernsthaft bestreiten wolle, Apor dargestellt zu haben.

Spaladir antwortete:

„Wenn Sie Apor darin erkennen –

wer von uns beiden hat ihm dann ein Gesicht gegeben?“

Die Aussage verbreitete sich innerhalb weniger Stunden in den Medien.

Wenig später stellte ein weiterer Journalist die Frage direkter:

„Ist das Apor?“

Spaladir antwortete:

„Natürlich ist es Apor.

Wer denn sonst?“

Damit war jede vorsichtige Verteidigungsstrategie faktisch beendet.

Spaladir versuchte später nicht, den Satz zurückzunehmen.

Auf die offensichtliche Widersprüchlichkeit seiner beiden Aussagen angesprochen erklärte er:

„Beide waren wahr, als ich sie sagte.“

Reaktion des Mahtanats

Das Mahtanat reagierte ungewöhnlich schnell.

In einer offiziellen Erklärung hieß es:

„Apor besitzt kein Gesicht, keinen Leib und keine Haltung.

Wer ihm eine Gestalt gibt, zeigt nicht Apor, sondern sich selbst.“

Die Erklärung wurde allgemein als direkte Zurückweisung von Spaladirs Werk verstanden.

Spaladir reagierte jedoch nicht mit Kritik.

Stattdessen erklärte er:

„Das ist vermutlich die bisher beste Beschreibung meiner Arbeit.“

Diese Antwort sorgte innerhalb des Mahtanats für wenig Begeisterung.

Eine formale Verurteilung oder ein Verbot des Werkes erfolgte jedoch nicht.

Das Mahtanat betonte vielmehr, dass es sich bei der Statue um ein Kunstwerk und ausdrücklich um kein kultisches Objekt handle.

„Der verbotene Apor“

Bereits wenige Tage nach der Enthüllung setzte sich in Presse und Bevölkerung die Bezeichnung

„Der verbotene Apor“

durch.

Die Herkunft des Begriffs ist nicht eindeutig geklärt.

Wahrscheinlich wurde er zunächst in sozialen Medien verwendet und anschließend von Boulevardmedien übernommen.

Spaladir selbst lehnt den Namen nicht ab.

Er benutzt ihn jedoch nur ironisch.

„Verboten ist er nicht.

Sonst müsste ich vermutlich woanders wohnen.“

Der Beiname trug erheblich zur Popularität des Werkes bei.

Besucherzahlen am Aufstellungsort stiegen innerhalb weniger Wochen deutlich an.

Unbeabsichtigter Kult

Für das Mahtanat entwickelte sich weniger die Statue selbst als vielmehr das Verhalten einzelner Besucher zum Problem.

Bereits kurz nach der Enthüllung wurden Blumen, Eicheln und kleine Kelche vor dem Sockel abgelegt.

Einige Besucher berührten Füße oder Sockel der Statue.

Andere entzündeten kleine Öllampen.

Mehrfach wurden Menschen beobachtet, die vor der Figur das aporistische Lindalzeichen vollzogen.

Das Mahtanat reagierte mit einer Klarstellung:

Die Statue ist kein Aporai.

Sie ist nicht geweiht.

Sie besitzt keine kultische Funktion.

Sie ist kein Bestandteil eines Apor-Kelches.

Diese Hinweise verhinderten jedoch nicht, dass sich rund um das Kunstwerk informelle Rituale entwickelten.

Besonders beliebt ist inzwischen das Ablegen einzelner Eicheln.

Spaladir erklärte hierzu:

„Ich habe eine Statue geschaffen.

Was Menschen davor tun, ist nicht mehr meine Plastik.“

Kopien und Souvenirs

Wenige Wochen nach der Enthüllung tauchten erste verkleinerte Nachbildungen auf.

Besonders verbreitet sind kleine Bronze- oder Kunstharzfiguren zwischen zehn und dreißig Zentimetern Höhe.

Einige werden als Kunstreproduktionen verkauft.

Andere erscheinen offen als Souvenirs.

Das Mahtanat kritisierte insbesondere Varianten, die als „Haus-Apor“ oder „Apor für den Schreibtisch“ angeboten wurden.

Spaladir selbst besitzt nach eigener Aussage keine Rechte an mehreren der verbreiteten Billigreproduktionen.

Auf die Frage, ob ihn dies störe, antwortete er:

„Acht Meter Bronze werden irgendwann zu zwölf Zentimetern Kunststoff.

Vielleicht ist das die eigentliche Transzendenz.“

Auftraggeber

Bis heute ist nicht öffentlich bekannt, wer Die Möglichkeit ursprünglich in Auftrag gab.

Spaladir äußert sich dazu nicht.

Bekannt ist lediglich, dass Herstellung, Bronzeguss, Transport und Aufstellung erhebliche Kosten verursacht haben müssen.

Die Finanzierung erfolgte offenbar vollständig privat.

Mehrere Medien spekulierten über wohlhabende Kunstsammler, Unternehmer und Stiftungen.

Belastbare Hinweise gibt es bislang nicht.

Spaladir erklärte lediglich:

„Jemand wollte eine Statue.

Ich wollte eine Frage.

Wir sind uns offenbar einig geworden.“

Verhältnis zu Andor Waloran

Besonders aufmerksam wurde das Werk von Andor Waloran kommentiert.

Waloran hatte bereits zuvor mit körperlichen Darstellungen Apors für Kontroversen gesorgt.

Im Gegensatz zu Walorans bewusst sinnlichen und oft provokanten Gemälden besitzt Spaladirs Statue jedoch eine beinahe staatsmonumentale Wirkung.

Waloran kommentierte:

„Ich brauche fünf Meter Leinwand, um Ärger zu bekommen.

Toren braucht nur Bronze.“

Spaladir antwortete:

„Andor hätte sie vergoldet.“

Waloran erklärte daraufhin öffentlich:

„Selbstverständlich.“

Das Verhältnis zwischen beiden Künstlern gilt als von gegenseitigem Respekt und gelegentlicher öffentlicher Stichelei geprägt.

Theologischer Streit

Die Kontroverse um Die Möglichkeit entwickelte sich rasch über die reine Kunstkritik hinaus.

Im Mittelpunkt stand eine grundsätzliche Frage:

Ist bereits der Versuch, Apor darzustellen, theologisch unzulässig – oder lediglich die Behauptung, eine bestimmte Darstellung sei verbindlich?

Einige aporistische Theologen argumentieren, Spaladirs Werk sei unproblematisch, solange niemand behaupte, Apor sehe tatsächlich so aus.

Andere halten bereits die Kombination einer menschlichen Figur mit eindeutigen aporistischen Symbolen für eine problematische Personifikation.

Eine dritte Position sieht den Streit selbst als Bestätigung des Werkes.

Nach dieser Auffassung zeigt die Statue gerade, wie stark das menschliche Bedürfnis sei, abstrakten religiösen Vorstellungen eine Gestalt zu geben.

Spaladir selbst formulierte:

„Vielleicht ist nicht die Statue das Problem.

Vielleicht ist das Problem, dass niemand lange genug vor einem leeren Sockel stehen möchte.“

„Auf die richtige Weise falsch“

Bemerkenswert ist, dass Spaladir seine eigene Statue nicht für gelungen hält.

Kurz nach der Enthüllung begann er erneut mit Apor-Studien.

Auf die Frage nach dem Grund antwortete er:

„Weil sie falsch ist.“

Auf die Nachfrage, ob er tatsächlich seine monumentale Statue meine, sagte er:

„Natürlich.

Aber vielleicht ist sie auf die richtige Weise falsch.“

Diese Aussage wurde zu einem der meistzitierten Kommentare über das Werk.

Sie verdeutlicht Spaladirs Auffassung, dass eine bildliche Darstellung Apors niemals endgültig sein könne.

Die Unzulänglichkeit sei nicht lediglich ein Fehler der Kunst.

Sie sei Teil ihres Gegenstandes.

Einordnung

Einschätzung

Die Möglichkeit gilt als eines der bedeutendsten und zugleich widersprüchlichsten Werke der ancalischen Gegenwartskunst.

Toren Spaladir gibt einer Gottheit einen Körper, deren Theologie gerade auf Gestaltlosigkeit besteht.

Er versieht diesen Körper mit einem Gesicht.

Er umgibt ihn mit den Symbolen des Aporismus.

Und anschließend bestreitet er, damit eine verbindliche Darstellung Apors geschaffen zu haben.

Gerade dieser Widerspruch bildet den Kern des Werkes.

Die Statue beantwortet nicht die Frage:

Wie sieht Apor aus?

Sie stellt vielmehr die Frage:

Warum genügt ein menschlicher Körper, ein Kelch und ein Kreis aus Eichenlaub, damit wir glauben, Apor zu erkennen?

Damit liegt die eigentliche Provokation möglicherweise weniger im Körper der Statue als im Betrachter selbst.

Spaladir hat Apor vielleicht kein Gesicht gegeben.

Er hat lediglich einen Ort geschaffen, an dem jeder Betrachter versucht ist, eines zu sehen.

Trivia

  • Der Beiname „Der verbotene Apor“ stammt nicht von Spaladir.
  • Spaladir besitzt nach eigenen Angaben selbst keine verkleinerte Reproduktion der Statue.
  • Das Berühren des rechten Fußes gilt bei Besuchern inzwischen inoffiziell als glückbringend.
  • Das Mahtanat weist regelmäßig darauf hin, dass hierfür keinerlei aporistische Tradition existiert.
  • Spaladir soll nach einem Besuch des Werkes festgestellt haben, die Bronze am rechten Fuß werde bereits sichtbar glatter.
  • Auf die Frage, ob ihn dies ärgere, antwortete er: „Bronze überlebt Menschen. Sie darf ruhig Spuren davon tragen.“
  • Andor Waloran bezeichnete das Werk einmal als „den teuersten theologischen Diskussionsbeitrag der UAF“.

Siehe auch