Kirche des Orthon
Inhaltsverzeichnis
- 1 Kirche des Orthon (KdO)
- 1.1 Lehre und Praxis
- 1.2 Organisation
- 1.3 Der Erste Sammler
- 1.4 Der Erste Großakkumulator
- 1.5 Das Erste Sammlerstück
- 1.6 Orthit-Pyramiden für den Hausgebrauch
- 1.7 Bauanleitung für eine Orthit-Pyramide (KdO-Handbuch, 2432)
- 1.8 Die Prophetin Yldegara von Norst
- 1.9 Kultische Verehrung
- 1.10 Rezeption
- 1.11 Satirische Bedeutung
Kirche des Orthon (KdO)
Die Kirche des Orthon (KdO) ist eine in den 2420er Jahren gegründete religiös-esoterische Bewegung. Ihre Lehre beruht auf der Annahme einer kosmischen Lebensschwingung namens Orthon, die angeblich in allen Lebewesen und in der Materie selbst wirkt.
Lehre und Praxis
Zentral ist der Glaube, dass Orthon-Energie durch spezielle Geräte – sogenannte Orthon-Sammler – gebündelt und für Heilzwecke nutzbar gemacht werden könne. Die Sammler bestehen aus einfachen Schichtkonstruktionen aus Holz, Altmetall, Stoffresten und Glas- oder Kristallsplittern. Anhänger der KdO verbringen oft Stunden in diesen Konstruktionen, um ihre „energetische Balance“ zu regenerieren. Im Alltagsgebrauch sind zudem kleine Objekte, die sogenannten Orthit-Pyramiden, verbreitet. Diese bestehen aus in Kunstharz eingegossenen Metallspänen und Quarzfragmenten. Ihnen wird die Fähigkeit zugeschrieben, Räume zu harmonisieren, Hyperstrahlung abzuwehren und Krankheiten zu lindern.
Organisation
Die KdO versteht sich als „spirituelle Wissenschaftsgemeinschaft“. Ihre Hierarchie reicht vom einfachen Suchenden bis zum Titel des Großakkumulators. An der Spitze steht der charismatische und umstrittene Führer, der sich als Erster Sammler bezeichnet. Die Bewegung finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge, den Verkauf von Orthit-Pyramiden sowie kostenpflichtige Sitzungen in den Sammlern. Kritiker werfen der KdO kommerzielle Abzocke und sektenhafte Strukturen vor.
Der Erste Sammler
Der Gründer der KdO war Zarion Felmor (2387–2451), ein ehemaliger Kleinhändler aus den Randbezirken von Asgarden. Er war bekannt für seine Neigung zu esoterischen Theorien, billigen Heilapparaten und „kosmischen Enthüllungen“, die er bei nächtlichen Aufenthalten auf Schrottplätzen empfangen haben wollte. Im Jahre 2423 erklärte Felmor, er habe den universalen Lebensstrom Orthon entdeckt und durch ein improvisiertes Kastenmöbel – das Erste Sammlerstück – nutzbar gemacht.
Felmor verlieh sich selbst den Titel des Ersten Sammlers und erhob den Aufenthalt in Sammlern zum zentralen Ritual seiner Bewegung. Seine charismatische Rhetorik, die stets zwischen pseudowissenschaftlichem Vokabular und mystischem Pathos schwankte, zog besonders in urbanen Mittelschichten zahlreiche Anhänger an. Kritiker beschrieben ihn als „halb Prophet, halb Gebrauchtmöbelhändler“.
Der Erste Großakkumulator
Nach Felmors Tod im Jahr 2451 übernahm sein engster Schüler und Nachfolger Marqon Estel (2410–2479) die Führung der KdO. Er führte den neuen Rang des Großakkumulators ein, um die Hierarchie zu festigen und die Kirche stärker zu institutionalisieren. Estel professionalisierte die Vermarktung von „Orthit-Pyramiden“ und ließ erste große „Orthon-Zentren“ bauen, die offiziell als „spirituelle Forschungsinstitute“ auftraten.
Unter seiner Leitung erreichte die KdO ihre größte Ausbreitung. Er galt als geschickter Organisator, aber weniger charismatisch als der Erste Sammler. Zeitgenössische Satiriker spotteten, Estel habe „den Glauben des Orthon in einen Konzern verwandelt – und aus Schrott Gold gemacht“.
Das Erste Sammlerstück
Als Gründungsmythos der KdO gilt das sogenannte Erste Sammlerstück. Es wurde nach Überlieferung des „Ersten Sammlers“ im Jahre 2423 improvisiert, als er auf einem Schrottplatz von Asgarden (Forn-Karpat) nach einer „kosmischen Eingebung“ Holzreste, Bleibleche, Schafwolle und einen zerbrochenen Fensterglas-Kristall zusammenfügte.
Das Resultat war ein wackeliger Kasten von kaum zwei Kubikmetern Größe, innen mit Schafwolle isoliert und außen von rostigen Metallplatten umgeben. Der „Erste Sammler“ soll mehrere Nächte darin verbracht haben und berichtete anschließend von „göttlicher Durchströmung durch Orthon“.
Anhänger der KdO betrachten das Erste Sammlerstück als heiliges Relikt. Es wird heute im „Haus der Schwingungen“ in Asgarden aufbewahrt, allerdings nur bruchstückhaft erhalten: ein Teil der Bretter ist verfault, die Bleche sind verrostet und der Glasstein fehlt. Trotzdem pilgern Gläubige dorthin, um die angeblich noch immer spürbare „Rest-Orthonladung“ zu empfangen.
Kritiker bemerken hingegen süffisant, dass das „heilige Relikt“ in Wahrheit „wie eine schlecht gezimmerte Gartensauna ohne Ofen“ aussehe.
Orthit-Pyramiden für den Hausgebrauch
Orthit-Pyramiden werden in der Regel als kleine Haushaltsobjekte vertrieben. Die offizielle Bauanleitung der KdO schreibt vor, dass jede Pyramide eine **Kantenlänge von 3,15 Handbreit** besitzen müsse – „denn nur so schwingt sie im Takt des kosmischen Pi“.
Im Inneren befindet sich eine Mischung aus zerkleinerten Metallspänen und Kristallsplittern, die mit Kunstharz umgossen werden. In manchen Versionen wird zusätzlich ein „Zentralkristall“ eingesetzt, vorzugsweise in der Farbe Rotbraun, um das „Feuer des Orthon“ darzustellen.
Anhänger glauben, dass die präzise Pi-Proportion die Harmonie der Pyramide erst ermöglicht. Skeptiker spötteln hingegen, es handele sich schlicht um eine „Bastelarbeit mit Taschenrechner“.
Bauanleitung für eine Orthit-Pyramide (KdO-Handbuch, 2432)
1. **Messe die Heilige Länge**
Schneide vier Stäbe aus Holz oder Metall auf genau 3,15 Handbreit zu. (Eine Abweichung von mehr als 0,01 Handbreit führt laut Überlieferung zum „Verlust der kosmischen Resonanz“.)
2. **Errichte das Gerüst**
Füge die Stäbe zu einer Pyramide zusammen. Achte darauf, dass die Spitze exakt nach Norden zeigt – andernfalls könnte die Pyramide „rückwärts schwingen“ und Müdigkeit verursachen.
3. **Fülle das Herz**
Schichte abwechselnd Metallspäne (am besten aus rostigen Schrauben gewonnen) und Kristallsplitter (empfohlen: Glasreste aus zerbrochenen Fenstern). Jeder dritte Splitter soll mit einem Tropfen Rotwein „energetisiert“ werden.
4. **Setze den Zentralkristall**
Platziere einen rotbraunen oder bernsteinfarbenen Stein in der Mitte. Die Größe ist unwichtig – solange er „angeschaut werden kann, ohne zu lachen“ (Originalzitat des Ersten Sammlers).
5. **Vergieße das Ganze mit Harz**
Übergieße die Füllung mit durchsichtigem Kunstharz. Währenddessen sprich dreimal: „315 ist eins, Orthon ist alles.“
6. **Die Weihe**
Stelle die fertige Pyramide auf einen Tisch, zünde drei Kerzen an und verbringe exakt 315 Sekunden in stiller Betrachtung. Danach gilt die Pyramide als „geladen“ und ist bereit für den Hausgebrauch.
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Warnhinweis der UAF-Akademie (2428): „Die hier beschriebenen Objekte besitzen keinerlei messbare physikalische Wirkung. Ihre Herstellung ist lediglich ein dekoratives Bastelprojekt mit erheblichem Placebo-Charakter.“
Die Prophetin Yldegara von Norst
Die KdO beruft sich gerne auf die angebliche Vorläuferin ihrer Lehre, die mittelalterliche Mystikerin Yldegara von Norst (1154–1221). Yldegara war eine Äbtissin und Heilerin, die in Visionen von „singenden Schwingungen des Firmaments“ berichtet haben soll. In ihren Schriften, den sogenannten Cantica Vibrata, finden sich poetische Beschreibungen von Licht, Klang und kosmischen Strömungen.
Obwohl Historiker Yldegaras Texte eindeutig allegorisch und spirituell deuten, erklären die Anhänger der Kirche des Orthon, dass sie „bereits im 12. Jahrhundert die erste Entdeckung des Orthonstroms“ gemacht habe. Sie wird daher in der KdO als „Heilige Mutter der Resonanz“ verehrt, obwohl es keinerlei Verbindung zwischen ihren Schriften und den Praktiken der Sammler gibt.
Besonders beliebt ist das Zitat, das angeblich Yldegara zugeschrieben wird: > „Im Klang der Schwingung heilt das Herz.“ Kritiker weisen darauf hin, dass dieser Satz in keiner authentischen Handschrift vorkommt, sondern vermutlich im 25. Jahrhundert von den Großakkumulatoren erfunden wurde.
Kultische Verehrung
In vielen Orthon-Zentren finden sich Statuetten Yldegaras, meist dargestellt mit einem Kristall in der Hand und einem Schaf zu ihren Füßen – eine Anspielung auf die Schafwolle im Ersten Sammlerstück. Die KdO nutzt ihren Namen, um ihre Lehren als „uralt“ und „heilig“ zu legitimieren, ähnlich wie andere Bewegungen historische Mystikerinnen für sich beanspruchen.
Rezeption
Wissenschaftliche Akademien haben bislang keine messbaren Effekte von Orthon oder den Sammlern nachweisen können. Offizielle Berichte sprechen von „parapsychologisch inspiriertem Aberglauben mit Placebo-Effekten“. Dennoch erfreut sich die KdO in einigen Regionen, insbesondere in urbanen Mittelschichten, großer Beliebtheit. Politische Debatten entbrannten mehrfach über die Frage, ob die KdO als Religionsgemeinschaft anzuerkennen sei oder als betrügerischer Kult verboten werden müsse.
Satirische Bedeutung
In den Medien der UAF wird die Kirche des Orthon häufig als Beispiel für die Absurditäten moderner Esoterik dargestellt. Beliebt ist das Bonmot: „Nur im Orthon-Sammler kann man gleichzeitig frieren, schwitzen – und dafür noch zahlen.“