Aporismus

Aus Ultos
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Sipekelch in Erigon.jpg

Der Aporismus ist eine überwiegend auf dem Gebiet der UAF praktizierte Religion. Als wichtigstes Merkmal wird die Diesseitsbezogenheit des Aporismus angeführt; Erlösungslehren, Jenseitsvorstellungen oder individuelle Heilsversprechen spielen in der aporistischen Theologie keine zentrale Rolle.

Theologischer Grundgedanke

Der Aporismus geht von der Existenz der obersten Gottheit Apor aus. Apor wird nicht als personhaftes Wesen verstanden, sondern als allgegenwärtiges Prinzip von Möglichkeit, Ordnung und gegenwärtiger Handlung. Apor besitzt keine feste Gestalt und entzieht sich jeder figürlichen Darstellung. Theologisch wird Apor häufig als „Licht“ beschrieben, das sich nur dort verdichtet, wo Wille, Verantwortung und Handlung zusammenfallen.

Gebetshaus

Die Verehrungsstätten des Aporismus werden als Aporismus-Kelche bezeichnet. An der Spitze der Kelchhierarchie steht der Apor-Kelch, in dem die oberste Gottheit Apor verehrt wird.

Kelche sind nicht als Tempel im klassischen Sinne konzipiert, sondern als Orte der Sammlung, der Handlungsvorbereitung und der ethischen Ausrichtung.

Weitere Gottheiten

Weitere wichtige Gottheiten des Aporismus sind die Brüder Hyafin und Zepandil, die im ancalischen Schöpfungsmythos eine zentrale Rolle spielen.

Nach diesem Mythos existieren dank der göttlichen Fügung Apors unzählige Welten nebeneinander, die sich lediglich in Nuancen voneinander unterscheiden. Alle diese parallelen Welten sind durch Apor beseelt worden; diese Beseelung geschah im Falle von Ultos durch die von Apor ausschließlich für diese Welt eingesetzten Brüder Hyafin und Zepandil.

Aporai

Die in den Kelchen aufbewahrten Verehrungsgegenstände werden als Aporai bezeichnet. Sie gelten als „Anker“ oder symbolischer „Wohnsitz“ der verehrten Gottheit und werden ausschließlich an hohen aporistischen Feiertagen öffentlich gezeigt.

Typische Aporai sind Gegenstände, die in der ancalischen Frühzeit – als deren Herstellung im Land selbst noch nicht beherrscht wurde – in geringer Zahl vom murabischen Festland nach Ancalim gelangten und dort als Wunderwerke galten. Besonders bekannt sind die sogenannten Krummjuwelen.

Priester

Die Kelch-Priester tragen festgelegte Zeremonialgewänder und sind unter anderem durch Kopfbedeckungen aus Eichenblättern gekennzeichnet.

Ein zentrales rituelles Instrument ist das Lindal, ein Zepter aus Eichenharz, das ursprünglich auch als Symbol weltlicher Herrschaft fungierte.

Oberster geistlicher Führer des Aporismus ist der Mahtan. Als Zeichen seiner Würde gelten das Goldene Lindal sowie ein speziell angepasster Ring, der sogenannte Silberne Venenar.

Der Sitz des Mahtan, das Mahtanat, befindet sich in der Millionenmetropole Erigon im Osten von Eldalote.

Anhänger

Eine offizielle Statistik nennt für das Jahr 2517 rund 99 Millionen Gläubige innerhalb der UAF, was etwa 94 % der Bevölkerung entspricht. Ultosweit wird die Zahl weiterer Aporisten auf etwa 56 Millionen geschätzt.

Feiertage

  • 4. Apora – Fest des Apor
  • 5. Hyafin – Fest des Zepandil
  • 6. Sichin – Fest des Hyafin

Summa Summarum (Summsumm)

In unregelmäßigen Abständen erlässt der Mahtan eine Weisung unter dem Titel Summa Summarum – kurz Summsumm. Sie richtet sich ausdrücklich „an alle Menschen guten Willens“ und besitzt keinen Gesetzescharakter, entfaltet jedoch erhebliche gesellschaftliche und politische Wirkung.

Historisches Summsumm des Mahtan Arli I.

Das folgende Summsumm wurde von Mahtan Arli I. im Jahr der sogenannten Kelchbewegung erlassen und gilt als eines der historisch folgenreichsten und zugleich umstrittensten Dokumente der aporistischen Geschichte:

An alle Menschen guten Willens.

Apor wohnt nicht in Mauern und nicht in Gewändern.

Wo Kelche verschlossen werden, weil Ordnung bequemer ist als Nähe, dort verlässt Apor den Raum – nicht aus Zorn, sondern aus Klarheit.

Es ist nicht die Aufgabe des Volkes, den Kelch zu tragen, damit die Priester ungestört verweilen.

Es ist die Aufgabe der Priester, den Kelch dorthin zu bringen, wo er gebraucht wird.

Wer sich über den Menschen erhebt und dies Frömmigkeit nennt, hat das Lindal verfehlt.

Apor wirkt nicht durch Abstand, sondern durch Gegenwart.

Darum sei gesagt:

Wo der Kelch nicht mehr gereicht wird, ist er leer.

Geht hinaus. Öffnet die Häuser. Tragt das Licht dorthin, wo es gebraucht wird, nicht dorthin, wo es glänzt.

Apor ist da, wo ihr seid.

Kriegs-Summsumm des Mahtan Karo X.

Das folgende Summsumm wurde von Mahtan Karo X. während des ancalisch-feanarischen Unabhängigkeitskrieges (Jahr 2406) erlassen. Es gilt als moralische Rahmung und Begrenzung kriegerischer Gewalt im aporistischen Verständnis:

An alle Menschen guten Willens.

Apor ist kein Gott der Schlacht. Wo Blut vergossen wird, ist er nicht Sieger, sondern Zeuge.

Es ist nicht der Krieg, der gerecht sein kann, sondern allein der Grund, aus dem Menschen ihn führen.

Wer kämpft, um zu herrschen, hat den Kelch entweiht.

Wer kämpft, um Ordnung zu bewahren, trägt eine Last, nicht ein Recht.

Apor fordert keinen Mut zur Gewalt. Er fordert Mut zur Verantwortung.

Darum sei gesagt:

Handle im Krieg so, dass dein Handeln auch im Frieden bestehen kann.

Schone, wo Schonung möglich ist. Begrenze, wo Begrenzung möglich ist. Und erinnere dich:

Kein Sieg heiligt das Ungeordnete.

Mögen die Kelche eurer Wege auch im Dunkel klar bleiben.

Primatsanspruch des Aporismus

Historischen Quellen zufolge war Sipe I. der erste Mahtan. Der Aporismus leitet seinen Primatsanspruch aus der göttlichen Einsetzung Sipes ab.

Herzog Sigo IV. ließ über dem angenommenen Grab Sipes den sogenannten Sipekelch errichten.

Der heutige Mahtan Cada VI. ist der 262. Nachfolger Apors.

Religiöse Praxis

Gläubige vollziehen morgens und abends kurze Rituale, darunter das Kreuzen mit dem Lindalzeichen.

In Städten sind öffentliche Prozessionen üblich, während auf dem Land familiäre Hauskelche oder der naturverbundene Waldkelch-Aporismus dominieren.

Strömungen und Abspaltungen

  • Zepandilische Schule – betont Eigenverantwortung und Handlungsethik
  • Hyafinitischer Ritus – sucht mystische Erfahrung und Verdichtung
  • Aporiteten – lehnten Apor als Gottheit ab, behielten jedoch Rituale und Symbolik bei

Symbolik und Ästhetik

Symbole:

Eiche = Inspiration
Kelch = göttliche Kraft
Lindal = geistige Handlung

Farben:

Grün (Diesseits)
Gold (Transzendenz)
Weiß (Möglichkeit)

Architektur:

Kelchförmig, lichtgeführt, ohne figürliche Darstellungen Apors; Lichtöffnungen ersetzen Bildnisse.

Gesellschaftlicher Einfluss

Das Mahtanat besitzt eine beratende Funktion in der Politik der UAF. Aporistische Feiertage sind staatlich anerkannt, in größeren Städten bestehen Hohe Kelchräte.

Verhältnis zu anderen Religionen

Der Aporismus gilt als tolerant gegenüber anderen Religionen, lehnt jedoch nihilistische Lehren ausdrücklich ab. Es existiert keine klassische Missionierung; stattdessen spricht man von sogenannten Einladenden Kelchen.

Aporistische Wandermönche

Aporistische Wandermönche sind junge Priester, die im Jahr nach ihrer Weihe auf Wanderschaft gehen. Sie klingeln bei Bedarf bei gläubigen Haushalten und werden traditionell aufgenommen.

Der Brauch geht auf Mahtan Arli I. zurück und entstand als Reaktion auf die Entfremdung zwischen Volk und Klerus.

Ein verbreitetes Ritual ist das Kelchlicht: Mönch und Hausherr entzünden gemeinsam eine Ölschale, sprechen einen Segensspruch und der Mönch überreicht eine Eichel.

Vielfach kommt es zu rituellen und spirituellen Interaktionen und Bindungen, die jedoch nicht dauerhaft institutionalisiert werden dürfen.

Mahtane

Der Aporismus kennt eine ununterbrochene Reihe geistlicher Oberhäupter, der sogenannten Mahtane. Eine vollständige Liste findet sich im Artikel Liste der Mahtane.

Sprachgebrauch

„Apor in dir.“ (Gruß)
„Mögen die Kelche deiner Wege klar sein.“ (Abschied)
„Er gehöre zu den Lindalen.“ (Ehrenformel)