Revartische Sprache

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Die Revartische Sprache (dav. revārtik kedik / rev. revartik izek) ist eine der Amtssprachen der VSN. Sie ist eng verwandt mit dem Davidischen. Beide zusammen bilden die Gruppe der duvarischen Sprachen.

Im Gegensatz zum Davidischen ist das Revartische deutlich vereinfacht (z.B. gibt es weniger unregelmäßige Verben). Es weist auch eine geringere dialektale Zersplitterung auf. Allerdings hat das Revartische weniger Sprecher.

Es ist kaum wechselseitig mit dem Davidischen verständlich. Da aber alle Bürger der VSN beide Sprachen lernen und im Alltag sehr viel Kontakt mit der jeweils anderen Sprache haben, ist die Verständigung kein Problem.

Laute und Schrift

Alphabet und Aussprache

Revartisch wird in einer eigenen Schrift, dem Shemun geschrieben.

Nummer Transkription Aussprache
1 a [​æ] ([ə])
2 b b
3 d d
4 e ɛ ([ə])
5 f f
6 g g
7 i i ([ə])
8 j [j], [γ]
9 k [k]
10 l [l]
11 m [m]
12 r [r]
13 s [s]
14 t [t]
15 u [u] ([​ɨ])
16 v [v]
17 h [x]
18 z [z]
19 š [ʃ]
20 n [n]
21 p [p]
22 o [ɔ] ​([​ɨ])
23 â [​ʌ] ([​ɨ])
  • Die Vokalallophone in Klammern stehen in unbetonten Silben
  • Die Phoneme m, n, l, r, j können auch lang gesprochen werden (dies ist ein phonematischer Unterschied!), was aber nicht in der Schrift gekennzeichnet wird. In diesem Artikel wird jeweils m:, n: usw. geschrieben.

Silbenstruktur

Es sind Silben vom Typ (s)CV(s)(C) erlaubt. Es gibt auch Silben mit dem Auslaut -XC, mit X=Nasal/Liquid/Halbvokal; diese sind aber selten.

Betonung

Es gibt zwei Betonungsgruppen: Wurzeln, von denen abgeleitete Formen stets auf der ersten Silbe betont werden, und Wurzeln, von denen abgeleitete abgleitete Formen stets auf der vorletzten Silbe betont werden.

Nomina

Pronomen

Person Nominativ Dativ Akkusativ
ich na nar nar
du mâr mâr
er/sie/es jov vor jen
wir nâdd nâdd
ihr maya mayâdd mayâdd
sie (Pl) jev nen jân


Demonstrativpronomen ("dieses, jenes"): substantivisch, adjektivisch ye.

Interrogativpronomen: ve – "Wer/was?"

Es gibt keine Possessivpronomen, man benutzt das Dativpronomen im Sinne von "von mir", "von ihm" etc. Bsp.

Eine Ausnahme bildet das reflexive Possessivpronomen ("sein, ihr eigener") šer. Bsp.

Indefinitpronomen: šoz "jeder/alle", skes "alles"

Substantiv

Das Substantiv unterscheidet die Numeri Singular und Plural und die Kasus Nominativ und Genitiv. Es gibt keine Artikel.

Der Singular ist die Grundform der Numeri, der Nominativ die Grundform der Kasus.

Plural

Zur Bildung des Plural wird ein an die Grundform ergänzt. Körperteile und Kleidungsstücke aber erhalten die Endung -(â)m:

  • "Vater" - ošâ "Väter"
  • xam: "Fluss" - xam:â "Flüsse"
  • stâz "Kopf" - stâzâm "Köpfe"
  • sav "Buch" - savâ "Bücher"

Endet das Wort auf einen Vokal, wird ein j: eingefügt. Das â wird dann oft nicht mehr mitgesprochen:

  • za "Schwert" - zaj:â (gesprochen [zaj:]) "Schwerter"
  • egure "Name" - egurej:â "Namen" (gesprochen [əg​ɨ'rɛj:])

Genitiv

Der Genitiv kennzeichnet das indirekte Objekt und den Besitzer einer Sache. Der Genitiv wird durch -d gebildet.

  • ošd "dem Vater/des Vaters"
  • oš-â-d "den Vätern/der Väter"
  • zad "dem Schwert/des Schwertes"
  • za-yâ-d (gesprochen [zay:d]) "der Schwerter/den Schwertern)

Adjektivierung

Ein Adjektiv der Zugehörigkeit kann auf –ik gebildet werden (auf –bik, fall das Substantiv auf einen Vokal endet). Es handelt sich dann um ein Herkunftsadjektiv (also keine Vorsilbe s.u.)

Beispiele:

  • ošik "väterlich"
  • zabik "zum Schwer gehörig"

Adjektive

Adjektive stehen hinter dem Nomen, das sie beschreiben.

Kongruenz

Sie haben verschiedene Vorsilben, je nachdem, ob das Nomen eine männliche Person, anders belebt oder unbelebt ist, in Singular oder Plural steht.

Vorsilben Singular Plural
Nicht Objekt, männliche Person šu- nu-
Nicht Objekt, nicht männliche Person sa- ne-
Direktes Objekt - ne-

Einige wenige Adjektive tragen jedoch niemals Vorsilben (z.B. Adjektive für Herkunft, „davidisch“, „akronoisch“, etc.)

Steigerung

Durch Suffixe:

  • -mi für den Komparativ
  • -âz für den Superlativ

Beispiele:

  • jatax šuvul "der starke Krieger"
  • jatax šuvulmi "der stärkere Krieger"
  • jasax šuvulâz "der stärkste Krieger"

Substantivierung

Als Eigenschaft durch -go:

  • vul "stark"
  • vulgo "die Stärke"

Als Träger einer Eigenschaft durch še-:

  • vul "stark"
  • ševul "der Starke"

Verben

Das Verb unterscheidet Numerus (Singular, Dual und Plural), Person (1., 2., 3.), Tempus (Präsens, Objektive Vergangenheit, Subjektive Vergangenheit, Antipräsens), Modus (Indikativ, Optativ-Nezessitiv, Imperativ), Diathese (Aktiv, Passiv, Faktitiv, Ditransitiver Kausativ) und Direktion (Ventiv, Separativ, Neutral).

Person, Numerus, Modus

Die Personen haben die Endungen -o, -o-z und Null. Der Singular wird nicht markiert, der Plural wird durch d und der Dual durch m markiert. Kennzeichen des Optativs ist ya, Kennzeichen des Imperativs e. In der dritten Person kann ein â eingefügt werden, um die Aussprache zu erleichtern.

Als Beispiel werden die Formen des Verbs r:ol "geben" abgebildet.

Person/Numerus Indikativ Optativ Imperativ
Sg1 r:ol-o r:ol-o-ya -
Sg2 r:ol-oz r:ol-o-ya-z r:ol-e
Sg3 r:ol- r:ol-âya r:ol-e-j
Du1 r:ol-om r:ol-om-ya r:ol-om-e
Du2 r:ol-omz r:ol-om-ya-z r:ol-m-e
Du3 r:ol-â-m r:ol-m-âya r:ol-m-e-j
Pl1 r:ol-d-o r:ol-d-o-ya r:ol-d-o-ye
Pl2 r:ol-d-oz r:ol-d-o-ya-z r:ol-d-e-z
Pl3 r:ol-â-d r:ol-d-âya r:ol-d-e-j

Eine Besonderheit bilden Verben mit Stammvokal â, welcher verschwinden kann, wenn eine Endung, die mit Vokal beginnt, hinzutritt.

  • bâj "sehen" - bjoz "du siehst"

Direktion

Die neutrale Direktion bleibt unmarkiert.

Ventiv

Der Ventiv drückt

  • 1.: eine Bewegung zum Sprecher ("her")
  • 2.: ein indirektes Objekt der 1. Person (Sg. oder Pl.)

aus. Er wird durch die Vorsilbe mo- ausgedrückt, die zu ro- abgewandelt wird, falls der Stamm des Verbes einen labialen Laut (b, p, m, v) enthält:

Er kommt her mo-san (san- = gehen)
Er gibt mir mo-r:ol
Gib mir! mo-r:ol-e
Er verkauft mir ro-beg (beg- =verkaufen)

Separativ

Der Separativ bezeichnet eine Fortbewegung im allgemeinen oder von einem indirekten Objekt (durch fez "weg von" im Satz gekennzeichnet). Das Präfix lautet ša-.

  • šabjo fez potšan "Ich schaue aus dem Fenster."
  • ved stabjoz? "Warum schaust du weg?"

Vergangenheitstempora

Zur Verwendung siehe Davidisch

Objektive Vergangenheit

Sie wird gebildet, indem im Singular und Dual ein -s- nach dem Verbstamm erscheint, im Plural hingegen das -d- durch ein -h- ersetzt.

Numerus, Person Form
Sg1 r:ol-s-o
Sg2 r:ol-s-o-z
Sg3 r:ol-â-s
Du1 r:ol-s-om
Du2 r:ol-s-omz
Du3 r:ol-s-âm
Pl1 r:ol-h-o
Pl2 r:ol-h-o-z
Pl3 r:ol-â-h

Subjektive Vergangenheit

Es gibt zwei verschiedene Gruppen von Verben bei der Bildung der Subjektiven Vergangenheit: Verben mit Stammveränderung und solche ohne.

Verben ohne Stammveränderung sind häufiger. Sie erhalten einfach andere Endungen:

Numerus, Person Form
Sg1 r:ol-n-o
Sg2 r:ol-n-oz
Sg3 r:ol-a
Du1 r:ol-n-om
Du2 r:ol-n-omz
Du3 r:ol-n-â-m
Pl1 r:ol-nâ-d-o
Pl2 r:ol-nâ-d-oz
Pl3 r:ol-nâ-d

Verben mit Stammveränderung erhalten die normalen Präsensendungen. Die Stammveränderungen müssen im Prinzip auswendig gelernt werden. Häufig sind Verben, bei denen ein Laut ausfällt:

  • seh "bringen" - seho "ich bringe" - sho "ich brachte"

Antipräsens

Im Antipräsens wird der Form der Subjektiven Vergangenheit ein jo- vorangestellt.

Bsp.: jo-zer-do "wir pflegten einst zu singen"; jo-sh-oz "du pflegtest mir einst zu bringen".

Diathese

Die meisten Verben stehen, wenn nicht modifiziert, im Aktiv.

Reflexiv

Der Reflexiv wird gebildet, indem ein -ra an die Personalendung gehängt wird:

  • ov bâj "er/sie sieht" - ov bâjra "er sieht sich"

Einige häufig gebrauchte Verben haben eine eigene reflexive Form:

  • teg- "sich ankleiden" vs. goraz- "jemanden ankleiden"
  • puh- "sich waschen" vs. bâz- "jemanden waschen"

Passiv

Einige Verben sind genuin passiv sind, z.B.:

  • berân- "angregriffen werden" im Gegensatz zu hodm- "angreifen"
  • vin- "geboren werden" im Gegensatz zu keg- "gebären"
  • zavin- "bewundert werden" im Gegensatz zu šâg- "bewundern"

Faktitiv

Der Faktitiv leitet transitive Verben von intransitiven Verben und von Adjektiven ab. Er wird mit der Vorsilbe se- gebildet (die Vorsilbe des Ventivs erscheint vor dieser Vorsilbe)

  • vâz "grün" - sevâz "er begrünt" - mosevâz "er begrünt mir"

Ditransitiver Kausativ

Der Ditransitive Kausativ leitet ditransitive Verben von transitiven ab (X lässt Y etwas tun). Dabei erscheint das Hauptverb normal Konjugiert mit den Endungen des Veranlassten. Es folgt ein Hilfverb, dass aus z(a)- und den Präsensendungen des Veranlassers gebildet wird. Es hat keine Zeitformen.

  • bâj z-o "ich lasse ihn sehen" = "ich unterrichte ihn"
  • bj-u za "er lässt mich sehen" = "er unterrichtet mich"
  • bâj-x-oz za-du´-o "wir ließen euch sehen" = "wir unterrichteten euch" (Objektive Vergangenheit)
  • bâj-n-u z-oz "du ließt mich sehen" = "du unterrichtetest mich" (Subjektive Vergangenheit)

Wie im Beispiel zu sehen, kann der Kausativ eine leicht abgewandelte Bedeutung tragen.

Beispielsatz: Mabad nes za oš rontâv. "Die Mutter lässt den Vater das Paket tragen."


Substantivierung

Als Prozess durch die Nachsilbe –b (-âb nach Konsonant):

  • bj-o "ich sehe" – bj-âb "das Sehen"
  • tah-o "ich kämpfe" – tah-âb "der Kampf, der Krieg"

Als Person durch die Vorsilbe ja-, falls das Verb auf Konsonant endet. Falls es auf Vokal endet, wird stattdessen ein –v angehängt.

  • tahjatah "der Krieger"
  • ge "laufen" – gev "der Läufer"

Adjektive vs. Verben vs. Partizipien

Stämme, die adjektivische Bedeutung haben, können die Bedeutung eines Verbs annehmen, wenn sie einfach statt Adjektivendungen Verbalendungen erhalten: at šu-med "der gute Vater" - oš med "der Vater ist gut".

Stämme die eine verbale Bedeutung ausdrücken, können als Adjektive erscheinen, indem sie mit adjektivische Affixen versehen werden. Dabei erscheinen intransitive Verben als aktives Partizipien, transitive als passives Partizip:

  • oš ge "der Vater geht" - oš šu-ge "der gehende Vater"
  • oš bâj "der Vater sieht" - oš šu-bâj "der gesehen( werdend)e Vater"

Aktive, transitive Partizipien kommen kaum vor.

Partizipien können in drei Tempora vorkommen:

  • Gegenwart: vom Stamm der Gegenwart gebildet, s.o.
  • Vergangenheit: Stamm der Gegenwart mit Suffix (â)n jatah šu-bj-ân "der Krieger, der gesehen worden ist".
  • Antipräsens: Vergangenheit mit der Vorsilbe jo-: jatah tu-jo-bj-ân "der einst gesehen wordene Krieger = der nicht mehr sichtbare, der verschwundene Krieger".

In der gesprochenen Sprache kommen Anti-Präsens-Partizipien selten und Vergangenheits-Partizipien praktisch gar nicht vor.

Satzlehre

Wortfolge

Die Satzreihenfolge ist stets Subjekt - Prädikat - Direktes Objekt - Indirektes Objekt. Adverbien können an beliebiger Stelle erscheinen. Bei Intransitiven Verben kann das Subjekt auch nach dem Prädikat (aber stets vor dem indirekten Objelt!) erscheinen.

In der Nominalphrase geht die Präposition voran, dann folgt der Kopf der Phrase, und dann Adjektive - Genitivattribute - Nebensätze. Eine besondere Ausnahme bilden Herkunftsadjektive auf -(b)ik, das reflexive Possessivpronomen šer und das adjektivische Demonstrativpronomen ye, die wahlweise vor das Hauptnomen (aber nach den Präpositionen) oder hinter das Hauptnomen gestellt werden können.

Fragen

Bei Wortfragen wird der entsprechende Satzteil durch das passende Fragewort ersetzt. In Entscheidungsfragen wird dem zu erfragenden ein yo nachgestellt: Mabad bja oš yo? - "Hat die Mutter den Vater gesehen?" - Mabad bâja oš? - "Hat die Mutter den Vater gesehen?" - Mabad bja yo oš "Hat die Mutter den Vater gesehen?" (neutral).

Verneinung

Die Verneinung no wird dem zu verneinenden Satzteil vorangestellt: Mabad bja no oš. "Nicht den Vater hat die Mutter gesehen" - No mabad bja oš "Nicht die Mutter hat den Vater gesehen." - Mabad no bja oš "Die Mutter hat den Vater nicht gesehen" (neutral).